Museum Reusskraftwerk

Geschichte der Bruggmühle und des Kraftwerkes

von Alfred Koch

Bereits 1281 wird die Bruggmühle als Stadtmühle urkundlich erwähnt und 1415 ist die Bruggmühle ein Teil der Brückenbefestigung. Die Bruggmühle, auf einer Reussinsel am westlichen Brückenkopf erbaut,  ist wohl die älteste Flussmühle an der Reuss. Der südlich der Brücke liegende Fällbaum teilt die Reuss in drei Flusspartien. Die zwei seitlich angelegten Kanäle sind durch Längsdämme oder Seitenwehre vom mittleren Flusslauf getrennt. Die vom Fällbaum erzeugte Stauhöhe führte das Wasser über die Seitenkanäle zu mehreren auf beiden Reussufern und beidseitig der Bruggmühle-Insel angeordneten Wasserrädern. Wasserräder trieben in der Bruggmühle ursprünglich eine Getreidemühle und auf dem westlichen Ufer eine Sägerei. Schon im Mittelalter nutzte man die Wasserräder auch für eine Kapuzinerkuttenwalke, eine Hanfreibe und eine Lostampfe, später dann für eine Spinnerei. Dank der Wasserkraft entstand aus dem Müllereibetrieb auf der Reussinsel schrittweise eine Textilfabrik.

Ein Bild von 1775 zeigt ein Wasserrad auf der Westseite der Insel, sowie das Wasserrad des Sägewerkes. Bis 1835 blieb die Mühle im Besitz der Stadt. 1839 erwarb Martin Schwarzenbach die Bruggmühle und wandelte diese in eine Baumwollspinnerei. 1877 werden eine Garnzwirnerei und eine Spinnerei mit einem zugehörigen Garn- und Wolllädeli betrieben. 1880 ersetzt sein Nachfolger Mantel die linksseitigen Wasserräder durch eine Jonvalturbine.  Hier errichtete Caspar Hausherr 1892 anstelle der alten Mühle das erste wasserkraftbetriebene Elektrizitätswerk an der Reuss mit zwei Gleichstromgeneratoren. 1895 gründete Hausherr die AG „Elektrizitätswerk zur Bruggmühle“ und ersetzte die links der Insel liegenden Wasserräder durch eine Jonwalturbine.

Dieses Kraftwerk versorgte zuerst die Strassenbeleuchtung der Stadt, später das Pumpwerk für Trinkwasser an der Wohlerstrasse und ab 1902 die elektrische Bremgarten-Dietikon Bahn. Beiderseits der Kraftwerkinsel trieb das Wasser Turbinenräder an, die über eine 24 Meter lange quer über die Insel verlaufende Antriebswelle auf einen gemeinsamen Generator arbeiteten. Diese Bauart mit den „Zwillingsturbinen“ ist eine technisch interessante, einmalige Lösung.

Früh bezogen auch erste Bremgarter Haushalte Strom für Licht und für Bügeleisen. Industriebetriebe belieferte man mit dreiphasigem „Kraftstrom“. Um auch in der Niederwasserzeit im Winter die Abnehmer zuverlässig mit Strom zu versorgen, baute die AG „Elektrizitätswerk zur Bruggmühle“ unterhalb des Maschinenhauses noch eine Dampfmaschine, ein sogenanntes „Lokomobil“ mit 60 PS Leistung. Auf dem linken Reussufer lag das Sägewerk, welches man 1920 in die Anlage einbezog und mit der separaten Säge-Turbine ausrüstete.

Im Jahre 1927 kaufte das Aargauische Elektrizitätswerk (AEW) die AG „Elektrizitätswerk zur Bruggmühle“ mit den Kraftwerkanlagen und dem Versorgungsnetz von Bremgarten.

Eine neue 1997 bis 1998 erstellte Rohrturbinenanlage mit auf 650 kVA erhöhter Leistung und einer mittleren Jahresproduktion von 3,6 Millionen Kilowattstunden ersetzt die Sägeturbine und die linksseitige Zwillingsturbine. Die rechtsseitige Francis-Turbine samt Zuführkanal, Rechen und Abschlussorganen blieben beim Umbau unverändert erhalten. Die alte Kraftwerksanlage mit dem Zwillingsantrieb, den grossen Holzzahnrädern, der Turbinenregulierung, den quer über die Insel angeordneten Übertragungswellen, dem Getriebe mit Schwungrad und dem Generator wird heute nur noch von einer Francisturbine angetrieben. Als Belastung dient der renovierte Wasserwiderstand. Der Museumsverein restaurierte diese Anlagen mit Unterstützung des AEW und der Aargauischen Denkmalpflege in minutiöser Kleinarbeit. 2000 stellte der Aargauische Regierungsrat diese Anlagen und Einrichtungen unter Denkmalschutz. Seit Frühjahr 2005 ist das Museum Reusskraftwerk eröffnet.